Petition zur Mikrobiellen Gülleveredelung

Nicht sicher in welches Forum Deine Frage gehört? Hier passt alles rein! Nicht nur Kompostwurmiges...
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Eberhard
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Petition zur Mikrobiellen Gülleveredelung

Beitrag von Eberhard » Mi 31. Jan 2018, 22:11

Unsere Landwirtschaft ist nicht so heil wie man gerne glauben mag, und unsere Politik ist lobbygesteuert und trifft nun nicht immer Entscheidungen im Sinne von Verbrauchern und von Menschen, die eine gesunde Umwelt zum Leben brauchen. Gerade jetzt werden die Landwirte mit einer neuen Düngeverordnung zu Millioneninvestitionen gezwungen und sollen die faulende und aggressive Gülle in den Boden injizieren. Das ist der Tod fürs Bodenleben und wird langfristig zu einer Botulismusseuche bei Tier und Mensch führen.

Mikrobielle Gülleveredelung: Ich unterstütze diese offene Petition von Journalist Martin Weitzel für eine wissenschaftliche Untersuchung der mikrobiellen Gülleverdelung.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Petition zur Mikrobiellen Gülleveredelung

Beitrag von Trulllla » Do 26. Jul 2018, 12:29

ist das hier: "FÜR eine wissenschaftlich korrekte Untersuchung der verschiedenen biotechnologischen Verfahren der mikrobiellen Gülleveredelung als Alternative zur bodennahen Gülle-Ausbringung."
die eigentliche Petition?
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Re: Petition zur Mikrobiellen Gülleveredelung

Beitrag von Eberhard » Do 26. Jul 2018, 13:16

Ja genau.

Ich beschreibe mal den Vorgang vereinfacht: Dass es stinkt, wenn Gülle ausgebracht wird, weiß jeder. Klar, vorher stinkt sie auch schon, aber wenn sie im freien Feld in hohem Bogen versprüht wird, haben mehr etwas davon bis hin zu realen Gesundheitsgefährdungen. Also sagen ein paar unkluge Köpfe: Spritzen wir das Zeug direkt in den Boden. da ist es schneller weg. Dafür braucht man dann auch neue teure Technik, die einen bauen und verkaufen diese Technik, die anderen (Landwirte und später auch die Verbraucher) bezahlen das (wenn sie es können). Das kurbelt die Wirtschaft an. So weit, so schlecht.

Aber: Das Übermäß an ungebundenen Stickstoff wandert so verstärkt ins Grundwasser. Zuviel Nitrat im Trinkwasser ist gesundheitsschädlich, viele Trinkwasserquellen mussten wegen zu hoher Nitratbelastung von Wasserbetrieben aufgegeben werden, was dann auch teure Neuinvestitionen nötig macht.
Sowie auch: Gülle in der üblichen Form enthält in Massen Fäulnis und Krankheitskeime. Diese werden zum einen über die Pflanzen und die darauf aufbauende Nahrungskette weitergereicht, auch an den Menschen. Zum anderen verschiebt das Überangebot an Fäulnis das Gleichgewicht in der Mikrobiologie nachhaltig und langfristig in eben die Richtung der Fäulnis, die eigentlich gewünschten und benötigten aufbauenden Mikroben werden unterdrückt, reduziert, beseitigt. In der Natur vergleichsweise, wenn ein Tier seine Notdurft verrichtet, ist das eine sehr lokale Einbringung und wird durch die Umgebung schnell wieder aufgefangen. Bei der Gülleausbringung wird aber flächig und reichlich gearbeitet, der Mensch ist gründlich.
Unterm Strich wird Bodenleben abgetötet. In der Folge wird er Humus verlieren und sich auf den Weg hin zur Steppe und Wüste begeben.

Ziel der Untersuchungen laut Petition ist es, die Gülle vor Ausbringung auf Felder mikrobiell aufzubereiten, so dass sie den Boden nicht mehr schädigt. Auch wird es dann nicht mehr stinken, womit man dann auch nicht die Ausbringungszeiten auf wenige Monate nach Kalender beschränken muss, sondern nach Bedarf (Wetter, Bebauung) loslegen kann. Außerdem wäre behandelte Gülle nährstofftechnisch besser. Was als Ammoniak wegfliegt und stinkt, ist eigentlich Dünge-Stickstoff. Besser wäre doch eine organische Bindung, wie man das bspw. von Hornspänen kennt.

Solche Verfahren sind bekannt und funktionieren in der Praxis. Allerdings muss das wissenschaftlich untersucht, begleitet und zertifiziert sein, ehe der Gesetzgeber über seinen Schatten springt. Gifte wie Glyphosat haben solche Zertifizierungen und dürfen ausgebracht werden, wenn auch in Vollschutz und mit Karenzzeiten. Da gab es jemanden, der das bezahlt und gefördert hat.
Bei eigentlich natürlichen Vorgängen, die dann auch noch regional oder örtlich in Eigenregie ausgeführt werden, ist das schwieriger. Hier fehlt der lobbyunterstützende Interessent, der damit gutes Geld verdient.

Das ist in etwa so der Themenkreis, der eigentlich jeden betrifft, spätestens als Verbraucher und den auf eigene Gesundheit angewiesenen.
Mit freundlichem Glück Auf!
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Re: Petition zur Mikrobiellen Gülleveredelung

Beitrag von Pfiffikus » Sa 28. Jul 2018, 22:18

Hallo Eberhard,

prinzipiell stimme ich Dir zu, dass Gülle lieber durch Mikroben verarbeitet werden sollte, statt im Übermaß als Dünger eingesetzt zu werden. Der Einsatz von Gülle als Naturdünger in der von den Pflanzen benötigten Menge ist allerdings in jedem Falle zu begrüßen!

Forschungen sind dazu kaum noch erforderlich. Die Denitrifikation ist heute schon Stand der Technik und wird in modernen Kläranlagen eingesetzt, damit unser kommunales Abwasser nicht mit zu hohen Nitratwerten in den Vorfluter eingeleitet wird. Diese Methode hat nur einen kleinen Haken: Sie ist den Landwirten zu teuer.


Wenn wir gegen die massenweise Gülleverklappung argumentieren, müssen wir aber ehrlich bleiben, sonst machen wir uns unglaubwürdig.
Eberhard hat geschrieben:
Do 26. Jul 2018, 13:16
Sowie auch: Gülle in der üblichen Form enthält in Massen Fäulnis und Krankheitskeime. Diese werden zum einen über die Pflanzen und die darauf aufbauende Nahrungskette weitergereicht, auch an den Menschen.
Zweifellos enthält die Gülle Unmengen an Keimen. Doch diese gehen üblicherweise nicht durch die Epidermis der Pflanzen. Auch Obst und Gemüse, welches der Hobbygärtner noch mit menschlichen Fäkalien düngt, ist gesund und wertvoll und frei von diesen Keimen. (Ausnahme: Die zu verzehrenden Pflanzenteile werden direkt mit dem Naturdünger benetzt wie zum Beispiel im Ehec-Skandal 2011)
Eberhard hat geschrieben:
Do 26. Jul 2018, 13:16
Außerdem wäre behandelte Gülle nährstofftechnisch besser. Was als Ammoniak wegfliegt und stinkt, ist eigentlich Dünge-Stickstoff. Besser wäre doch eine organische Bindung, wie man das bspw. von Hornspänen kennt.
In diesem Falle wäre das nicht schlimm, sondern sogar ein Vorteil. Denn letztendlich haben wir ja einen Nitratüberschuss, den die Landwirte entsorgen müssen. Das "Wegfliegen" wäre hier sogar von Nutzen, stickstoffschonende Verfahren wären kontraproduktiv.



Wenn die Nitratbelastung im Grundwasser dauerhaft gesenkt werden soll, so würde das langfristig nur gelingen können, wenn weniger Futtermittel (zum Beispiel proteinreiches Soja) aus Südamerika importiert wird, sondern die hier gehaltenen Tiere mit Futter versorgt werden, welches hier in Deutschland gewachsen ist. Dann könnte es wieder gelingen, so wie früher einen Stickstoffkreislauf zu installieren und zu schließen. Der Einsatz von Gülle in dem Maße, in dem die Feldfrüchte den Nährstoff benötigen, ist nur zu begrüßen!

Und die Denitrifikation von Gülle ist eine zweite Möglichkeit, Nitrat in signifikanten Mengen zu entsorgen.



Pfiffikus,
der in den letzten Tagen Stimmen vernahm, dass sogar noch mehr Soja importiert werden möge
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Re: Petition zur Mikrobiellen Gülleveredelung

Beitrag von Eberhard » So 29. Jul 2018, 11:59

Pfiffikus hat geschrieben:Doch diese gehen üblicherweise nicht durch die Epidermis der Pflanzen.
Zur Ehrlichkeit gehört die Kenntnis, dass die Pflanze ihre stofflichen Aufnahmen zum größten Teil über ihre Wurzeln realisiert, und da ist es nicht egal, in welchem Boden die Wurzeln stecken. Der Boden ist ja quasi der Darm für Pflanzen, und was da stattfindet, wird nicht ohne Einflüsse auf die Pflanzen sein, auch wenn sie von außen prall und gesund aussehen.

Wenn man einer Kuh die Wahl lässt, ob sie lieber auf einer güllegedüngten Wiese oder auf einer unvergüllten Wiese ihr Gras frisst, wird die Entscheidung der Kuh nur eine sein, und da wird sie sogar Weidezäune durchbrechen.
Heilpflanze statt Futter - da lohnt es sich, darüber nachzudenken.
Pfiffikus hat geschrieben:Der Einsatz von Gülle als Naturdünger in der von den Pflanzen benötigten Menge ist allerdings in jedem Falle zu begrüßen!
Das kann nur jemand sagen, der den Boden als Chemiebaukasten versteht und meint, die Pflanzen bedarfsgerecht füttern zu können. Wer aber auch die Bodenbiologie im Blick hat, dem ist klar, dass unaufbereitete Gülle und unaufbereiteter Mist als Naturdünger zwar eine Nährstoffzufuhr leisten, aber eben auch die Bodenbiologie beeinflussen und Gleichgewichte verschieben in Richtung Fäulnis. Wo es Fäulnis gibt, gedeihen pathogene Keime auch besser.

Was man in dem Link im ersten Beitrag nachlesen kann:
INTERMEZZO – Ein einfaches Experiment
Wir gießen 1 Glas (BIO-)Vollmilch in ein 0,2 Liter Glas bis 1 kleinen Finger breit unter den Rand, stellen es bei Raumtemperatur, schließen das Glas locker mit einer Untertasse, nehmen ein z. B. Geschirrhandtuch, bedecken das Glas vollständig und lassen es 3-7 Tage stehen. Was nun passiert, kennt jeder, nach wenigen Stunden „kippt“ die Milch, fängt an zu stinken und wird sehr unappetitlich. Gesund ist das nicht mehr. Nach 1-3 Tagen kann der Genuss sogar tödlich sein. Diese Brühe ist auch nicht geeignet Gemüse, Salat, o. ä. direkt zu düngen, weil hier viele, für Mensch und Pflanze und Bodenorganismen, schädliche Keime drin sind. Also besser auf den Kompost und dort „vorverdauen“ lassen.
Nun machen wir genau dasselbe wie oben ABER zusätzlich geben wir zusätzlich ein wenig spezielle (Milchsäure-) Bakterien dazu und lassen das ebenfalls bis zu 3 Tage stehen. Was nun passiert, weiß auch (fast) jeder, innerhalb von 1-3 Tagen entwickelt sich ein leckerer Joghurt oder Sauermilch.
Das kippen wir natürlich nicht weg, sondern genießen es selber, aber grundsätzlich ist Joghurt und Sauermilch als sehr guter „Dünger“, den Pflanzen, sogar deren Blätter aber auch den pflanzennützlichen Mikroorganismen sehr bekömmlich (ggf. vorher mit etwas Wasser verdünnen).
Dies ist nur ein Beispiel von vielen (Käse, Sauerkraut, Bier, Wein, …), das wir alle kennen und von dem wir tagtäglich profitieren. Viele Medikamente, Rohstoffe und weiteres werden mit Hilfe von Mikroorganismen gewonnen.
Und genauso ist es prinzipiell auch mit der Gülle!
Es entsteht quasi ein völlig neues „Produkt“ mit z. T. ganz anderen, Mensch und Umwelt verträglicheren Eigenschaften.
Ammoniak, Ammonium, Nitrat und … Stickstoff und Co. werden anderweitig in lebendigen Mikroprozessen und Stoffwechselkreisläufen gebunden und in den oberen Bodenschichten (0-40 cm) nicht nur „zwischengespeichert“ sondern vollständig integriert.
In diesem, völlig anderem Milieu sind pathogene Keime kaum mehr lebensfähig, weil andere, für Pflanzen, Bodenorganismen, Tier und Menschen freundliche Mikroorganismen dominieren = „Joghurt“-Gülle statt „Gammel“-Gülle.
Mit freundlichem Glück Auf!
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Re: Petition zur Mikrobiellen Gülleveredelung

Beitrag von Pfiffikus » Mo 30. Jul 2018, 16:29

Hallo Eberhard,
Eberhard hat geschrieben:
So 29. Jul 2018, 11:59
Wenn man einer Kuh die Wahl lässt, ob sie lieber auf einer güllegedüngten Wiese oder auf einer unvergüllten Wiese ihr Gras frisst, wird die Entscheidung der Kuh nur eine sein, und da wird sie sogar Weidezäune durchbrechen.
schön, mit Dir einer Meinung zu sein. Ich hatte diesen Gedanken in meinem vorigen Beitrag nur in Klammern erwähnt - Ehec-Skandal 2011.


Pfiffikus hat geschrieben:Der Einsatz von Gülle als Naturdünger in der von den Pflanzen benötigten Menge ist allerdings in jedem Falle zu begrüßen!
Das kann nur jemand sagen, der den Boden als Chemiebaukasten versteht und meint, die Pflanzen bedarfsgerecht füttern zu können.
Gewiss kann Boden mehr als uns nur ernähren. Doch die Lieferung von Feldfrüchten ist seine Aufgabe in der Landwirtschaft schon seit Jahrtausenden.
Wenn uns der Boden ernährt, werden dem Acker die Feldfrüchte entnommen. Da leuchtet es jedem ein, dass die in den Feldfrüchten enthaltenen Stoffe irgendwie wieder ergänzt werden müssen, ansonsten laugt der Boden aus und kann uns nicht weiter ernähren. Das passiert leider in manchen Gegenden dieser Welt, wo Regenwald abgebrannt wird. Nach ein paar Jahren ist der Boden ausgelaugt und bringt keinen Ertrag mehr. Also wird ein neues Stück Wald niedergebrannt.
Die Bauern am Nil hatten Glück, die Überschwemmungen brachten jährlich neue Nährstoffe mit. Die Bauern in Mitteleuropa erfanden aus diesem Grunde die Dreifelderwirtschaft und konnten damit das Auslaugen ein wenig verzögern. Aber erst die Erfindung des Kunstdüngers brachte dieses Effekt zum Erliegen.

Heute ist die Auslaugung des Bodens in Mitteleuropa kein Thema mehr, auch dank der Importe aus anderen Ländern und dank preiswerten Mineraldünger. Das ist das Haupaugenmerk des Landwirts, damit der Boden uns ernähren kann, ohne auszulaugen. Wir haben sogar einen Nitratüberschuss, der irgendwie entsorgt werden muss. Und um diesen Nitratüberschuss und dessen Entsorgung ohne Grundwassergefährdung geht es hier. So viel zur Nährstoffbilanz des Chemiebaukastens.


Ob der Ackerboden einen gesunden Humusanteil enthält und nach Waldboden duftet, das mag Dir wichtig erscheinen, dürfte aber den allermeisten Bauern auf dieser Welt herzlich egal sein, solange nur genügend auf seinem Boden wächst.


Wer aber auch die Bodenbiologie im Blick hat, dem ist klar, dass unaufbereitete Gülle und unaufbereiteter Mist als Naturdünger zwar eine Nährstoffzufuhr leisten, aber eben auch die Bodenbiologie beeinflussen und Gleichgewichte verschieben in Richtung Fäulnis. Wo es Fäulnis gibt, gedeihen pathogene Keime auch besser.
Was heißt denn hier, ein Keim sei "pathogen"? Dazu gehört immer die Angabe, für wen der Keim pathogen ist. Während die Braunfäule für eine Reihe von Pflanzen eine Gefahr darstellt, sind deren Erreger für mich als Menschen überhaupt nicht pathogen. Ich habe keinerlei Befürchtung, irgendwann einmal an Braunfäule zu erkranken. Umgekehrt ist es ähnlich. Keime, die für uns absolut pathogen sind, stellen für Pflanzen oder für Regenwürmer keinerlei Bedrohung dar. Die bereits genannten Ehec-Erreger machen den Pflanzen ebensowenig aus, wie HIV-Viren.
Und die Keime, die in faulenden Millieus gedeihen, sind einfach nur andere Geschöpfe der Natur, die wir nur nicht so mögen.

Letztendlich kommt es darauf an, dass irgendwelche Destruenten ihr Werk vollenden können und die mineralischen Nährstoffe wieder für die Pflanze verfügbar werden. Damit ist der Kreislauf geschlossen. Und an der Wurzel der Pflanze werden Mineralien und nur diese aufgenommen. Mikroben, die für Menschen pathogen sein können, werden von der Wurzel ausgesperrt und verhungern im Boden, anschließend kommen die Destruenten...



Pfiffikus,
der die zitierte „Joghurt“-Gülle auch nicht gerade appetitlich finden würde
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Re: Petition zur Mikrobiellen Gülleveredelung

Beitrag von Eberhard » Mo 30. Jul 2018, 17:06

Was Du hier schreibst, ist gesammelter Käse.

Vor hundert Jahren hat das Wissenschaftlerehepaar RAOUL H. FRANCÉ und ANNIE FRANCÉ-HARRAR die Mikroorganismen als die Grundlage alles Lebendigen und die Bewahrer der Fruchtbarkeit unserer Erde entdeckt. Aus organischen und anorganischen Bestandteilen des Bodens erzeugen sie den Humus, die lebendige Pflanzennahrung.

Seit der Mensch seßhaft geworden ist und Ackerbau und Viehzucht betreibt, VERBRAUCHT er Humus.
Er hat diese natürliche Pflanzennahrung bisher weder ersetzt noch vermehrt.

Unsere Zukunft
Dort gibt es auch eine Menge Literatur.

Ab sofort solltest Du nicht mehr sagen können, Du hättest es nicht gewusst.
Auslaugen ... Aber erst die Erfindung des Kunstdüngers brachte dieses Effekt zum Erliegen.
Falsch. Auch wenn man den Boden mehrfach überdüngt mit Kunstdüngern, kann man den Pflanzen nicht alles geben, was sie brauchen. Es wird trotzdem Humus abgebaut. Kunstdünger trägt zum Versauern der Böden bei. Da muss man dann kalken. Der Kalk wiederum greift Tonminerale und somit die Ton-Humus-Komplexe an. "Kalk macht reiche Väter und arme Söhne." Dieses Sprichwort ist nicht neu. Man kann mal darüber nachdenken.
Sowie: Wenn man Pflanzen mit Nährsalzen zwangsernährt, wird die natürliche Nährstoffbereitstellung über die Bodenorganismen überflüssig. Es ist dann halbherzig, das Insektensterben zu betrauern. Unter der Erde findet das Gleiche statt, da schauen einem bloß nicht große Augen an.
Und: Humus hat die Fähigkeit der Nährstoffbindung. Da marschieren dann deutlich weniger Nährsalze, die im Moment nicht verwertet werden können, direkt weiter ins Grundwasser. Einem Wurmfarmer sollte man dies nicht extra erklären müssen. Wenn man dann gleich organisch, also aufbereitet, düngt, entfallen im wesentlichen Maße freie Salze, die wassergelöst in das Grundwasser gehen.

Wenn der Humus so egal ist, kannst Du ja Dein Gemüse im Sandkasten anbauen. Die Industrie wird schon dafür sorgen, dass Dir genug Blaukorn zur Verfügung steht.
Und um diesen Nitratüberschuss und dessen Entsorgung ohne Grundwassergefährdung geht es hier.
Darum geht es weder in der Düngemittelverordnung noch im primären Anliegen der Petition. Ein "Entsorgen" wäre ein dritter Fall.
Mit freundlichem Glück Auf!
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Re: Petition zur Mikrobiellen Gülleveredelung

Beitrag von Eberhard » Di 31. Jul 2018, 13:46

Die Bauern am Nil hatten Glück, die Überschwemmungen brachten jährlich neue Nährstoffe mit.
Diese Nährstoffe sind aber weder Mineralsalze (Kunstdünger) noch Gülle, sondern abgetragenes Material aus den Quellgebieten, vergleichbar dem Urgesteinsmehl, wo Nährstoffe und Spurenelemente mineralisch gebunden sind. Davon profitieren die Pflanzen erst, wenn die Bodenmikroben diese in Symbiose mit den Pflanzen aufbereiten. Dafür dann aber bedarfsgerecht, weil Pflanzen und Mikroben miteinander kommunizieren und die Pflanze so ihren Bedarf anmeldet, im gleichen Atemzug aber in Größenordnung bis 30 Prozent dieses Bodenleben mit eigenerzeugten Kohlehydraten versorgt. Das ist ein Geschäft in beiderseitigem Interesse, und das wird gestört, wenn dann der Mensch nach eigenem Gutdünken mit seinem Halbwissen "versorgt".

Übrigens hat der allseits bekannte fruchtbare angeschwemmte Nilschlamm weniger Nährstoffgehalt als der Boden eines üblichen Gartens, bei damals allerdings noch intakter Natur.
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Re: Petition zur Mikrobiellen Gülleveredelung

Beitrag von Pfiffikus » Mi 1. Aug 2018, 11:27

Hallo Eberhard,
Eberhard hat geschrieben:
Mo 30. Jul 2018, 17:06
Was Du hier schreibst, ist gesammelter Käse.
ja klar, ich schäme mich schon dafür, Deine Aussagen zu hinterfragen.

Seit der Mensch seßhaft geworden ist und Ackerbau und Viehzucht betreibt, VERBRAUCHT er Humus.
Er hat diese natürliche Pflanzennahrung bisher weder ersetzt noch vermehrt.
Hm. Müssen wir uns jetzt auch noch dafür schämen, dass wir Lebensmittel, die die Landwirte auf Ackerböden produziert haben, verzehren?

Vor hundert Jahren hat das Wissenschaftlerehepaar RAOUL H. FRANCÉ und ANNIE FRANCÉ-HARRAR die Mikroorganismen als die Grundlage alles Lebendigen und die Bewahrer der Fruchtbarkeit unserer Erde entdeckt. Aus organischen und anorganischen Bestandteilen des Bodens erzeugen sie den Humus, die lebendige Pflanzennahrung.


Unsere Zukunft
Dort gibt es auch eine Menge Literatur.

Ab sofort solltest Du nicht mehr sagen können, Du hättest es nicht gewusst.
Jetzt habe ich doch versucht, auf der verlinkten Seite Informationen zu diesem Standpunkt nachlesen zu können - Fehlanzeige! Das ist ja nur eine Werbeseite! Soll ich mir jetzt diese Bücher kaufen, nur um hier mit diskutieren zu können?


Die von Dir genannten Wissenschaftler und deren Wirken ist mir bisher entgangen. Da halte ich es lieber mit solchen Leuten wie Justus von Liebig. Was er herausgefunden hat, war für seine Zeit revolutionär und das kannst Du heute googeln:
  1. Ein Boden ist fruchtbar für eine gegebene Pflanzengattung, wenn er die für diese Pflanze notwendigen mineralischen Nahrungsstoffe in gehöriger Menge, in dem richtigen Verhältnis und in der zur Aufnahme geeigneten Beschaffenheit enthält.
  2. Wenn ein Boden seine Fruchtbarkeit dauernd bewahren soll, so müssen ihm nach kürzerer oder längerer Zeit die entzogenen Bodenbestandteile wieder ersetzt werden, d.h. die Zusammensetzung des Bodens muß wieder hergestellt werden.
  3. Das Gesetz vom Minimum: "Das Wachstum und der Ertrag einer Pflanze wird von dem Nährelement oder Wachstumsfaktor bestimmt, der ihr in geringster Menge (Minimum) zur Verfügung steht."
Falsch. Auch wenn man den Boden mehrfach überdüngt mit Kunstdüngern, kann man den Pflanzen nicht alles geben, was sie brauchen. Es wird trotzdem Humus abgebaut.
Na gut, selbstverständlich können wir ganz sachlich darüber diskutieren, ob durch die heute praktizierte Düngung die Forderung Nr. 2 vollständig erfüllt wird.
- Mit Mineraldüngung wahrscheinlich nicht
- Mit der Rückführung von tierischen Exkrementen wahrscheinlich etwas besser.


Darum geht es weder in der Düngemittelverordnung noch im primären Anliegen der Petition. Ein "Entsorgen" wäre ein dritter Fall.
Es geht wahrscheinlich um Verfahren, wie es hier vorgestellt wird:
http://nachhaltig-nachhaltig.org/Mykorr ... delung.htm

Es wird auch hier im Video gezeigt.
https://www.youtube.com/watch?v=VQnTEXbUdNs

Es sollte doch nicht so schwer sein, einen Investor zu finden, der solche Brühe in dem Eimer in großem Maße produziert und vermarktet. Der Markt dafür wäre zweifellos da, denn eine ganze Reihe von Landwirten könnten damit die Nachbarn besänftigen, die den Geruch der Gülle nicht mögen.


Pfiffikus,
der davon ausgeht, dass die meisten Bodenlebewesen ein sehr hohes Reproduktionsvermögen haben und sich permanent regenerieren können, solange sie einigermaßen lebenswerte Bedingungen vorfinden
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Re: Petition zur Mikrobiellen Gülleveredelung

Beitrag von Eberhard » Mi 1. Aug 2018, 13:57

Das ist ja nur eine Werbeseite!
Die Bücher und Dokumente sind im kostenlosen Download erhältlich. Kaufen kann man die meisten gar nicht mehr.
Bücher & Dokumente (Link im Vordergrund dieser Website)
Justus von Liebig ... war für seine Zeit revolutionär
Natürlich. Erst einmal gab es wissenschaftliche Ansätze statt des Probierens. Und selbstverständlich hat es vielen Menschen Brot gegeben, dass ausgehungerte Böden zielgerichtet wiederaufgewertet wurden.
In der Folge ergab sich aber auch jene Ereigniskette: Kunstdünger ist sauber und lässt sich gut verteilen, das ist modern. Naturdünger wie Mist und Jauche wurden zu Abfall, den man "entsorgen" muss, am besten geruchsfrei in die Luft verdampfen oder in die Gewässer ablaufen lassen. Ich habe gelesen, dass es noch keine Ewigkeit her ist, wo Bauern Mist aus der Stadt für ihre Felder abgeholt haben.

Mit Kunstdüngern wird Wachstum getrieben (Maximum statt Optimum) und wie gesagt die natürliche allseitige Versorgung eingeschränkt. Dadurch werden Pflanzen krankheitsanfälliger - wenn Du Menschen auf Maximum fütterst, sind die auch nicht gerade die Gesündesten. Dazu kommen dann größere Felder und Monowirtschaften ... und die Schädlinge. In der Natur wird Krankes beseitigt. Also gehen seit langer Zeit Kunstdünger und Gifte gegen Schädlinge Hand in Hand. Bestenfalls schaut man darauf, wieviel Karrenzzeit vergehen muss, bis man einen gespritzten Apfel essen kann oder wieviel Gift man verträgt. Aber alle Gifte wirken auch auf das, was man gar nicht im Blick hat: das Bodenleben und den Humus. Gifte wirken in Kombination auch durchaus prägnanter, als man sich über Grenzwerte von Einzelgiften zusammensetzen würde.
Aber mit Kunstdünger und Giften kann die Industrie Geld verdienen, mit einem lokalem Komposthaufen in Eigenregie nun mal gar nicht, außer es werden "notwendige" Zusatzstoffe ausgemacht. Wo Geld zu verdienen ist, steckt auch eine mächtige Lobby dahinter. Es gibt also auch genügend Studien, Fachleute, Institute, politische Entscheider, die gutheißen, was andere kritisch sehen.
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der davon ausgeht, dass die meisten Bodenlebewesen ein sehr hohes Reproduktionsvermögen haben und sich permanent regenerieren können, solange sie einigermaßen lebenswerte Bedingungen vorfinden
Kann man davon ausgehen? Glaube ist manchmal zu wenig.

Aber ja, die Natur kann das schon. Man muss sie nur unbeeinflusst lassen und Zeit geben. Die Episode intelligenter Mensch mit Ackerbau und später Industrie gibt es erst seit etwa 10.000 Jahren, und nach einer ebenso langen Zeit dürften menschengemachte Folgen auch deutlich wieder neutralisiert sein. Als Ersatz für verlorene Arten gibt es vielleicht neue.

Aber der Mensch hat kürzere Taktzeiten, und die Natur wird er in absehbarer Zeit auch nicht unbeeinflusst lassen können. Die Natur kann ohne Mensch, nicht aber der Mensch ohne Natur leben. Eine Zeit lang kann man Ressourcen abbauen, irgendwann muss aber ein Gleichgewicht eintreten. Die Notwendigkeit dafür haben wir schon lange in vielen Dingen erreicht. Zufällig ist gerade heute der Welterschöpfungstag.

Um aber jetzt nicht die Welt durchzudiskutieren, sondern am Thema dieses Themas zu bleiben, einige Informationen, die man sich zu Gemüte führen kann: Gülle: Fäulnis über Deutschland - Problem und Lösung
lebenswerte Bedingungen
Dazu gehört auch die bestehende Konkurrenzsituation zwischen den Mikroben. Wenn man Gleichgewichte verschiebt durch zahlenmäßige Vergrößerung der einen Gruppe eingehend mit Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und Reduzierung der anderen Gruppe und Verschlechterung deren Lebensbedingungen, da sieht es mit "Regenerierung" nicht so gut aus.
Zuletzt geändert von Eberhard am So 5. Aug 2018, 07:45, insgesamt 1-mal geändert.
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