7 Monate Wurmfarmerin - wie die Zeit vergeht

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freestyle
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7 Monate Wurmfarmerin - wie die Zeit vergeht

Beitrag von freestyle » Mo 17. Dez 2018, 18:21

Hallo,

nachdem ich fast 7 Monte Wurmfarmerin bin, möchte ich mal ein bißchen was dazu schreiben.

Angefangen habe ich im Ende Mai mit selbstgesammelten Würmer aus einem Misthaufen. Zuerst in zwei Plastikeimern, die mir schon bald zu unhandlich wurden.

Aus Blumentransportkisten ausgekleidet mit einem Rahmen aus Holzresten wurde dann weiter experimentiert.

Ich hatte bisher großes Glück. Eimer und Kiste wurde mit dem vorhandenen Mist gestartet, meine Würmer dachten nicht einmal an Flucht. Die Kiste steht auf einem Blech und wird mit Zeitungspapier abgedeckt. Darüber als Lichtschutz ein Stück Stoff. Damit fahre ich ganz gut. Ist luftig und ich spüre die Oberfläche eigentlich täglich ein. Die Sommermonate verbrachte die Kiste im Schuppen, durch den räumlichen Abstand bekamen die Judels etwas Ruhe vor mir. :D

Anfangs habe ich doch sehr oft in der Kiste nachgeschaut. Im November zog die Kiste - mittlerweile ziemlich voll und entsprechend schwer - wieder nach drinnen. Ich habe mich schon auf die Suche nach Bäckerkisten gemacht, scheinen mir vom Gewicht und Größe besser zu händeln zu sein (wird dann eine zweite Wurmfarm).

Eine zweite Ebene ist inzwischen eingeführt. Die Population ist kräfig angewachsen. Zwischendurch schonmal ein paar Würmer in den Komposthaufen gegeben.

Gefüttert haben ich viel Gemüse, wenig Obst. Irgendwie hat sich das so eingependelt. Ewig liegen geblieben ist Salat, mit dem ich mir auch immer Schnecken in die Kiste geholt habe.

Jetzt gibt es auch Herbstlaub, ebenso wird die Erde von den Tomatenpflanzen bzw die Reste der Pferdeäpfel, Heu & Schachtelhalm verfüttert. Ausserdem gibt es Eierschalen, Urgesteinsmehl (vergesse ich meistens), Lehm, Sand, Kaffeesatz, Hundehaare (in kleinen Mengen).

Ehrlich gesagt habe ich noch nie den PH Wert gemessen, aber meine Judels machen einen gesunden Eindruck.

Ich bin weitesgehend zufrieden - es läuft. Immer wieder habe ich hier im Forum rumgestöbert, aber viel zu selten mal geschrieben. Jedenfalls habe ich vieles gelernt.

Danke dafür.

Gruß
freestyle
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Re: 7 Monate Wurmfarmerin - wie die Zeit vergeht

Beitrag von Trulllla » Mo 17. Dez 2018, 19:29

Liebe freestyle
danke für deinen Bericht! (Ich war immer zu faul für einen.)
Das klingt ja richtig gut! Wenn du die Würmer aus dem Kompost hast, und da Substrat von dort als Basis genommen hast, ist das wahrsch. der Grund dafür, dass sie sich so wohl fühlen. Ob man den pH-Wert besser auch dann misst, wenn alles paletti ist, weiß ich nicht - man wäre dann jedenfalls früher gewarnt bevor etwas ganz aus dem Ruder läuft. Und was das Urgesteinsmehl angeht: Ich wusste erst gar nichts davon, dass man es zugeben soll, und mein Wurmvorgänger wohl auch nicht, jedenfalls ist bei mir dann das hier passiert: https://www.wurmwelten.de/forum/viewtop ... f=3&t=1804, was Jasper in seinem Artikel auch sehr gut beschreibt.
Wenn das bei dir auch mal so sein sollte, dann denk wieder mal an das Urgesteinsmehl :)

Viel Spaß noch!
Eberhard
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Re: 7 Monate Wurmfarmerin - wie die Zeit vergeht

Beitrag von Eberhard » Mo 17. Dez 2018, 20:36

Ich gratuliere zu diesem entspannten erfolgreichen Verlauf.

Bezüglich Urgesteinsmehl:
Erde von den Tomatenpflanzen ... Lehm, Sand
Was erwartet man von Urgesteinsmehl, was in den genannten Materialien nicht vorhanden ist?

Wenn man bspw. bei der Erde für die Tomaten davon ausgeht, dass sie vor der Pflanzung ordentlich versorgt war, dann ist ein Mineralienentzug nur durch die Tomaten eingetreten, da verdampft nichts und wird sich eher nichts als Lösung in den Untergrund verabschieden. Gibt man dem Boden die Pflanzen und Früchte zurück bzw. entsprechendes Ersatzmaterial (wovon ich in einer Wurmfarm ausgehe), dann bleibt ein lebenswertes Niveau erhalten. Weitere Materialien wie Lehm und Sand bringen weitere Mineralien ein.
=> gute und sinnvolle (und billige) Ersatzmaterialien, durchdachte individuelle Kreativität statt Rezeptabarbeitung

Der öfter zu beobachtende massive Einsatz von Urgesteinsmehl wird nach meiner Überzeugung eher damit zu tun haben, dass man dem Nährstoffgehalt und der positiven Wirkung des Wurmhumuses nicht traut und das Ganze zusätzlich aufpeppen will.
Außerhalb der üblichen Betrachtung (auch eines recht großen Teils der Fachwelt und jener, die sich da zugehörig fühlen) ist die Wirkung von Mikroorganismen in einem gesunden biologisch aktiven Boden (sofern man ihn hat):
Ein Versuch auf 1000 ha Mais in Illinois
Bei 55:13 zeigt Williams Fotos, auf denen man Bodenproben mit vielen Regenwürmern und Wurmlöchern sieht. Die Fotos sind in einem Betrieb in Illinois aufgenommen, bei dem er auf den Maisfeldern Rinder, Zwischenfrüchte und Untersaaten (covercrops) und Quorum Sensing eingesetzt hat. Auf mehr als 1000 ha Mais konnte dort kein Gebiet gefunden werden, in dem es keine Regenwürmer und Wurmausscheidungen gab.

Von diesem Betrieb zeigt er an Position 56:45 folgende Daten:
2014 Daten beim Start der Saison (vor Testbeginn)
pH-Wert des Bodens 6,5
Organische Masse 2,4 %
Kationenaustauschkapazität 10,3 %
Nährstoffgehalte des Bodens: P = 162 kg/ha, K = 282 kg/ha, Ca = 3662 kg/ha, Mg = 199 kg/ha

2015 Daten (Ende der Saison, August)
pH-Wert des Bodens 7,3
Organische Masse 3,5 %
Kationenaustauschkapazität 15,8 %
Nährstoffgehalte des Bodens: P = 213 kg/ha, K = 636 kg/ha, Ca = 5992 kg/ha, Mg = 454 kg/ha

Die Messungen für 2015 wurden direkt nach der Ernte, im August 2015, durchgeführt. Im Testjahr wurde 55 % weniger Stickstoffdünger aufgebracht als in den Jahren davor. Obwohl kein Kalk aufgebracht wurde, war der Kalziumgehalt nun 2330 kg/ha höher und auch der pH-Wert war von 6,5 auf 7,3 gestiegen. Auch die für Pflanzen verfügbaren Mengen an Phosphor, Kalium und Magnesium sind deutlich gestiegen. Und das alles, obwohl die Messung direkt nach der Ernte erfolgte und obwohl 55 % weniger Stickstoffdünger als in den Vorjahren verwendet wurde. Dabei war der Ertrag an Mais dann auch noch um ca. 160 kg/ha höher. Nach der klassischen Vorstellung des Nährstoffkreislaufes und des Nutzens der Düngung mit Stickstoff, hätten alle Werte nach der Ernte geringer als bei Versuchsbeginn sein müssen.
Zitiert aus Quorum Sensing und Komposttees

Der Gedanke, dass in einem Boden die benötigten Mineralien ausreichend vorhanden sind und durch ein gesundes und aktives Bionom den Pflanzen bedarfsgerecht verfügbar gemacht werden ohne Sonderzufuhr von außen, ist doch ganz nett. Wenn es dem Boden und den Pflanzen gut geht, sollten die Würmer als organischer Bestandteil dieses Systems auch kein grundsätzliches Problem haben.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: 7 Monate Wurmfarmerin - wie die Zeit vergeht

Beitrag von Pfiffikus » Mi 19. Dez 2018, 02:13

Glück auf Eberhard,
Eberhard hat geschrieben:
Mo 17. Dez 2018, 20:36
Bezüglich Urgesteinsmehl:
Erde von den Tomatenpflanzen ... Lehm, Sand
Was erwartet man von Urgesteinsmehl, was in den genannten Materialien nicht vorhanden ist?
Die genannten Materialien sind Sedimente bzw. Sedimentgesteine. So unterscheidet es der Geologe.

Du weißt, wie Gesteine entstehen? Durch Vulkanismus und andere Bewegungen in der Erdkruste kommt zähflüssiges Magma in die Nähe der Erdoberfläche und erkaltet. Es entsteht Urgestein wie Lava, Basalt, Granit und so weiter. Hierin sind noch alle Mineralien enthalten.
Im Laufe der Jahrmillionen wird das Gestein von Wind, Wasser, Eis und anderen Gewalten abgetragen, zu Sand und Lehm zermahlen und abtransportiet. Das Wasser transportiert das Material ins Meer, wo es sedimentiert wird. Und genau an dieser Stelle werden aus dem Urgestein diejenigen Mineralien herausgelöst und weg gewaschen, die leichter wasserlöslich sind. Wenn Sand, Lehm, Ton oder Kalk am Grund sedimentieren und in weiteren Jahrmillionen zu Sedimentgestein werden, fehlen die leicht löslichen, ausgewaschenen Stoffe.

Nur zu häufig wurde in manchen Farmen festgestellt, dass den Würmern etwas fehlt, so dass sie ihre Entwicklung einstellen. So ging es auch meiner ersten Farm. Wir können die fehlenden Stoffe nicht mit Namen benennen oder aufzählen, doch wir müssen feststelle, dass eben in der Farm irgendetwas fehlt, wenn man auf Urgesteinsmehl verzichtet. Im Freilandkompost oder im Boden (auch aus Sediment bestehend) könnte dieses Manko irgendwie kompensiert werden. Aber in einer Plastikfarm?



Eberhard hat geschrieben:
Mo 17. Dez 2018, 20:36
Wenn man bspw. bei der Erde für die Tomaten davon ausgeht, dass sie vor der Pflanzung ordentlich versorgt war, dann ist ein Mineralienentzug nur durch die Tomaten eingetreten, da verdampft nichts und wird sich eher nichts als Lösung in den Untergrund verabschieden.
Du kannst zwar davon ausgehen, doch es wird kaum so sein.
Wer kann schon verhindern, dass Regen- oder Gießwasser so weit versickert, dass es aus der Reichweite der Wurzeln entkommt? Und wenn das versickerte Regenwasser in einer Quelle oder einem Brunnen zu Tage tritt, enthält es mehr Mineralien, als vor dem Versickern. Woher kommt dieses zusätzliche Mineral im Quellwasser?

Eberhard hat geschrieben:
Mo 17. Dez 2018, 20:36
Der öfter zu beobachtende massive Einsatz von Urgesteinsmehl wird nach meiner Überzeugung eher damit zu tun haben, dass man dem Nährstoffgehalt und der positiven Wirkung des Wurmhumuses nicht traut und das Ganze zusätzlich aufpeppen will.
Für den Gärtner könnte das zutreffen.
Aber für den Wurmfarmer, der solchen Wurmhumus mit enthaltenen Mineralien herstellen will, habe ich das Vertrauen verloren.



Pfiffikus,
der hofft, auf Deine Frage ausführlich genug geantwortet zu haben
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Re: 7 Monate Wurmfarmerin - wie die Zeit vergeht

Beitrag von Eberhard » Mi 19. Dez 2018, 12:15

Wer kann schon verhindern, dass Regen- oder Gießwasser so weit versickert, dass es aus der Reichweite der Wurzeln entkommt? Und wenn das versickerte Regenwasser in einer Quelle oder einem Brunnen zu Tage tritt, enthält es mehr Mineralien, als vor dem Versickern. Woher kommt dieses zusätzliche Mineral im Quellwasser?
Diese Überlegung ist absolut richtig, wenn man die Minerale als in Wasser gelöste Salze versteht. Somit herrscht dieses Problem auch bei jedem besonders vor, der mineralische Kunstdünger verwendet. Aber nicht nur da: Wenn man den Boden mit Gülle überflutet, hat man auch da neben dem Ammoniak, der in die Luft geht und die Nasen streichelt, auch einen erheblichen Abgang von Nitrat ins Grundwasser mit erheblichen Nachfolgeproblemen.

In Urgesteinen und Sedimenten liegen Minerale aber eher mineralisch gebunden vor. Mikroben können diese auslösen und Pflanzen bereitstellen und tun das im Austausch von Kohlehydraten, die nur die Pflanze erzeugen kann.
Somit bemerkt man dann auch, dass man jetzt nicht mit einer überreichlichen Menge von z.B. Urgesteinsmehl Verätzungen des Umfeldes vornimmt.
Daneben und nicht unwesentlich gibt es dann auch Bindungen organischer Natur (Humus, Mikroben, Bodentiere, die Pflanzen(wurzeln) selber). So trägt ja bspw. jeder Mensch sein Päckchen Eiweiß mit sich herum, und das Eisen fällt nicht ins Grundwasser, Stickstoff und Schwefel fliegen nicht als Schwefelwasserstoff und Ammoniak in der Gegend rum, sondern das ist doch eine langfristige und stabile Verbauung.
Ergo: Habe ich einen lebenden Boden, muss ich mir über belastetes Grundwasser weit weniger Sorgen machen.
Mit freundlichem Glück Auf!
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Re: 7 Monate Wurmfarmerin - wie die Zeit vergeht

Beitrag von Trulllla » Mi 19. Dez 2018, 13:50

Pfiffikus hat geschrieben:
Mi 19. Dez 2018, 02:13
Nur zu häufig wurde in manchen Farmen festgestellt, dass den Würmern etwas fehlt, so dass sie ihre Entwicklung einstellen.
Das kann ich so unterschreiben. Urgesteinsmehl hat da Problem behoben. Wobei ich nicht behaupten möchte, dass man es nicht auch anders machen könnte, aber gerade will ich da gar nicht experimentieren. Ich bin froh, dass meine Judels wieder Junge machen. :lol:
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Re: 7 Monate Wurmfarmerin - wie die Zeit vergeht

Beitrag von Pfiffikus » Mi 19. Dez 2018, 13:55

Glück Auf Eberhard!
Eberhard hat geschrieben:
Mi 19. Dez 2018, 12:15
In Urgesteinen und Sedimenten liegen Minerale aber eher mineralisch gebunden vor.
Im Prinzip JA. Jedenfalls wenn sie noch drin vorkommen.
Die Pflanze braucht zum Beispiel Kalium. Das ist in Kalisalzen enthalten. Eines dieser Minerale heißt Kaliumchlorid. Die gibt es auch innerhalb von Urgesteinen. Können Pflanzen oder die Bodenlebewesen diese Spuren von Kalium nutzen, geht es ihnen (in dieser Beziehung) gut. Wird das Urgestein erodiert und zu Sedimentgestein umgebaut, findet ein Waschvorgang statt. Das Kaliumchlorid wird nicht mit ins Sediment eingebaut, sondern bereichert künftig das Meersalz der Ozeane.
Eberhard hat geschrieben:
Mi 19. Dez 2018, 12:15
Mikroben können diese auslösen und Pflanzen bereitstellen und tun das im Austausch von Kohlehydraten, die nur die Pflanze erzeugen kann.
Wenn sie noch vorkommen, dann ist das soweit korrekt. Kommen die Ausgangsmaterialien aber nicht mehr im Boden vor, weil ausgewaschen, dann können weder Humusschicht, noch Mikroben etwas machen. Weg ist weg. Dann ist Kalium eben Mangelware oder es ist aus.

Der Zweibeiner hat jetzt nur noch die Wahl, mit welcher Art von Dünger er den Mangel beseitigt. Fleischfressende Pflanzen finden auf nährstoffarmen Böden einen anderen Weg, die fehlenden Stoffe auszutreiben - nicht in mineralischer Form.


Eberhard hat geschrieben:
Mi 19. Dez 2018, 12:15
Somit bemerkt man dann auch, dass man jetzt nicht mit einer überreichlichen Menge von z.B. Urgesteinsmehl Verätzungen des Umfeldes vornimmt.
Eberhard hat geschrieben:
Mi 19. Dez 2018, 12:15
Ergo: Habe ich einen lebenden Boden, muss ich mir über belastetes Grundwasser weit weniger Sorgen machen.
So? Wirklich?
Also in Gegenden, in denen Urgesteine verwittert, habe ich noch nicht von derartigen Problemen gehört.
Im Arzgbrig gibt es im Westen Granit, im Osten eher Gneis. Dazwischen verwittert an vielen Stellen Basaltgestein (Pleßberg, Pöhlberg, Bärenstein,...).
Hast Du irgendwo von Verätzungen durch verwitterndes Urgestein gehört? Oder wird irgendwo das Grundwasser durch die Verwitterungsprodukte belastet? Kannst Du Dich mal erkundigen?


Wenn ich trotzdem versuche, den Einsatz von solchem Urgesteinsmehl zu optimieren, zu minimieren, liegt das ganz allein an meinem Geiz und nicht an irgendwelchen Gefahren!



Pfiffikus,
der an dieser Stelle keine Panikmache wegen Urgesteinsmehl lesen möchte
Eberhard
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Re: 7 Monate Wurmfarmerin - wie die Zeit vergeht

Beitrag von Eberhard » Mi 19. Dez 2018, 17:37

Richtig ist natürlich, wenn man mit Minisystemen wie einer häuslichen Wurmfarm umgeht, entsprechen einzelne Zugaben eine Riesenanteilsverschiebung und können somit auch latent ein Kippen des Systems in ungewünschte Zustände auslösen. Da sind Rezepte, Grammwaage und standardisierte Materialien sehr hilfreich, um sich auf die sicherere Seite zu stellen. Andere üben dann, was sie alles reinwerfen können (Bioplastik und Abfälle von sonstwoher und so).
Persönlich habe ich da lieber einen größeren Kompost. Da kann ich deutlich entspannter agieren und mit Eimer und Schubkarre umgehen.
Kaliumchlorid
Ja, wer in der Schiene Handelsdünger/Salze drin steckt, kommt da nicht so schnell heraus.
Waschvorgang
Der findet dann auch, um prägnante Beispiele zu nennen, in den ukrainischen Schwarzerdeböden und den nordamerikanischen Prärien und den ausgedehnten Waldböden statt? Wie konnten die Jahrtausende lang ihre Fruchtbarkeit (und somit auch ausreichend Kalium) bewahren? Waschmaschine kaputt?

Weiter oben hatte ich ein flächiges Zitat eingefügt. Der Inhalt wurde entdeckt und dem Verständnis zugeführt? Wie ist ein "Auswaschvorgang" zu beurteilen, wenn wissenschaftlich begleitet die messbaren Nährstoffgehalte im Boden auf 1000 Hektar deutlich steigen ohne Zuführung von außen (es sei denn, die Rinder sind zwischen Weide und Gartenmarkt stark gependelt)?
Das Kaliumchlorid wird nicht mit ins Sediment eingebaut
Ich bin ja nicht so der Wissenschaftler, und speziell mit Kaliumchlorid kenne ich mich auch nicht aus.
Jedoch: Die über Jahrtausende Jahre währende Kultur des alten Ägyptens hatte einen ihrer Grundpfeiler darin, dass man durch die jährlichen Nilüberschwemmungen einen sehr fruchtbaren Boden nutzen konnte. Der Nilschlamm, der nach den Überschwemmungen verblieb, war abgetragenes Material aus den abbessinischen Gebirgen. Der Weg im Wasser ist auch richtig lang - wenn das keine richtige Auswaschmaschine ist. Wieso konnte jetzt der Boden fruchtbar sein?
Urgestein erodiert und zu Sedimentgestein umgebaut
Solche Explosionen von Wissenschaft und Fakten begeistern immer wieder ...
Wen es interessiert, was mit Gesteinen (Felsen, aber auch den Felsenkrümelchen im Boden passieren kann), schaue unter dem Stichwort Lithobionten nach. Und vielleicht hier: Tote Bakterien machen Böden fruchtbar

Hast Du irgendwo von Verätzungen durch verwitterndes Urgestein gehört?
Nein, und eine solche These kannst Du auch nicht aus meinen Worten ableiten, es sei denn durch oberflächliches und unverstehendes Lesen.
Als Fan vom Kalibergbau hast Du aber sicher auch die Salzberge im Umland des Abbaus kennengelernt. Wie sieht es denn da aus?
Ich selber war mal Gast des Salonbergbaus Kali (geräumig, warm und trocken) in Zielitz ziemlich oben (300 Meter Tiefe). Das Bier danach schmeckt besonders gut.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: 7 Monate Wurmfarmerin - wie die Zeit vergeht

Beitrag von Pfiffikus » Mi 19. Dez 2018, 18:56

Eberhard hat geschrieben:
Mi 19. Dez 2018, 17:37
Kaliumchlorid
Ja, wer in der Schiene Handelsdünger/Salze drin steckt, kommt da nicht so schnell heraus.
Wer steckt denn in dieser Schiene?
Du fragtest danach, was im Urgesteinsmehl vorhanden ist und in anderen Materialien (aufgezählt wurden Sedimente) nicht. Nur weil ich mit einem Beispiel für einen wichtigen Pflanzennährstoff geantwortet habe, fahre ich noch lange nicht auf dieser Schiene. Versprochen! Aber Kaliumchlorid ist nun mal die korrekte Bezeichnung für dieses Mineral, welches im Urgestein enthalten sein kann und von den Lebewesen als Nährstoff genutzt wird.

Eberhard hat geschrieben:
Mi 19. Dez 2018, 17:37
Waschvorgang
Der findet dann auch, um prägnante Beispiele zu nennen, in den ukrainischen Schwarzerdeböden und den nordamerikanischen Prärien und den ausgedehnten Waldböden statt? Wie konnten die Jahrtausende lang ihre Fruchtbarkeit (und somit auch ausreichend Kalium) bewahren? Waschmaschine kaputt?
Du hattest es erwähnt. Ich glaube, ich hatte es auch impliziert. Wenn Lebewesen Kalium als Nährstoff verwenden, dann bauen sie dieses in verschiedene körpereigene Stoffe ein. Kaliumchlorid ist in mineralischer Form nicht mehr enthalten.
Und das Lebewesen schützt diese Stoffe nach außen. Wenn ich mich heute Abend duschen oder baden werde, so verliere ich auch nicht das in mir enthaltene Kalium.
(Außer in dem von mir in der Sauna abgesonderten Schweiß wäre Kalium enthalten, das weiß ich aber gerade nicht.)

Umgangssprachlich kann man sagen, dass die Nährstoffe in den Lebewesen gebunden sind.



Eberhard hat geschrieben:
Mi 19. Dez 2018, 17:37
Weiter oben hatte ich ein flächiges Zitat eingefügt. Der Inhalt wurde entdeckt und dem Verständnis zugeführ?
Wie bereits geschrieben, wurde bisher nur ein Lesezeichen zur späteren Verwendung angelegt.

Eberhard hat geschrieben:
Mi 19. Dez 2018, 17:37
Wie ist ein "Auswaschvorgang" zu beurteilen, wenn wissenschaftlich begleitet die messbaren Nährstoffgehalte im Boden auf 1000 Hektar deutlich steigen ohne Zuführung von außen (es sei denn, die Rinder sind zwischen Weide und Gartenmarkt stark gependelt)?
Du machst mich richtig neugierig!
Zu einer Auswaschung kommt es da wohl kaum, wenn die Nährstoffe organisch gebunden sind. Das sind sie in einer intakten Landschaft, so dass wohl kaum ein Auswaschen zu erwarten ist.

Aber für jedes System, mit oder ohne Mikroben, mit oder ohne Düngerzufuhr gilt selbstverfreilich das Gesetz von der Erhaltung der Masse. Und zwar auch für jedes Element einzeln. Wenn also Kalium in Form von Milch und Rindfleisch eine Farm verlassen, geht das nur so lange, bis die Kaliumvorräte erschöpft sind. Dann ist Schicht im Schacht. Bei einer riesigen, extensiv bewirtschafteten Flächen ist aber gewiss ein Kaliumvorrat für Jahrzehnte vorhanden. Aber auch die fleißigsten und nützlichsten Mikroben können kein neues Kalium hervorzaubern.
Ich bin schon neugierig...

Eberhard hat geschrieben:
Mi 19. Dez 2018, 17:37
Das Kaliumchlorid wird nicht mit ins Sediment eingebaut
Ich bin ja nicht so der Wissenschaftler, und speziell mit Kaliumchlorid kenne ich mich auch nicht aus.
Jedoch: Die über Jahrtausende Jahre währende Kultur des alten Ägyptens hatte einen ihrer Grundpfeiler darin, dass man durch die jährlichen Nilüberschwemmungen einen sehr fruchtbaren Boden nutzen konnte. Der Nilschlamm, der nach den Überschwemmungen verblieb, war abgetragenes Material aus den abbessinischen Gebirgen. Der Weg im Wasser ist auch richtig lang - wenn das keine richtige Auswaschmaschine ist. Wieso konnte jetzt der Boden fruchtbar sein?
Das erkläre ich Dir gern.
In Ägypten haben sie Sand. Also ein Sedimentgestein. Darauf kann man prima Ackerbau betreiben. Bis einer der Nährstoffe zur Neige geht. Das muss nicht Kalium sein. Bei Sand kann es sehr schnell gehen, bis ein Boden ausgelaugt ist.
In den Gebirgen, in denen der Nil entspringt, wird offensichtlich Urgestein erodiert. Dort gibt es deshalb fruchtbare Böden. Dort sind die Mineralien keine Mangelware. Pflanzen und Mikroben können die Nährstoffe nutzen und binden, gewiss auch in Kreisläufen. Wenn jetzt solcher nährstoffreicher Boden jährlich auf die Ägyptischen Felder gespült wurde, gibt es Nachschub an Nährstoffen und die Landwirtschaft funktioniert.
Blieben die Hochwässer mehrere Jahre aus, gab es Hunger in Ägypten.
Blieben die Niederschläge in Äthiopien länger aus, gab es Hunger in Äthiopien.


Wenn Nährstoffzufuhr ausbleibt, muss das nicht heißen, dass das Leben abstirbt. Moore und tropische Regenwälder sind Beispiele für sehr nährstoffarme Lebensräume. Und die Nährstoffe werden nicht so leicht ausgeschwemmt, denn sie sind ja in den Organismen gebunden. Und wenn ein Lebewesen stirbt, sind sofort Destruenten und Konkurrenten zur Stelle, die sich an den frei werdenden Nährstoffen laben. So bleiben diese Stoffe dem Moor und dem Regenwald erhalten.

Wenn die Bauern dort in Brasilien brandroden, um neue Ackerflächen zu gewinnen, geht das bekanntlich nur wenige Jahre gut. Dann ist dieser Boden ausgelaugt und das nächste Stück Wald muss gerodet werden. Wegen der ausgelaugten Nährstoffe ist dieser Boden für Jahrzehnte tot. Da helfen auch keine Mikroben mehr, denn die Nährstoffe sind weg.


Pfiffikus,
der neuerdings zum Kali-Lobbyist gemacht worden ist
Eberhard
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Re: 7 Monate Wurmfarmerin - wie die Zeit vergeht

Beitrag von Eberhard » Mi 19. Dez 2018, 19:23

Wegen der ausgelaugten Nährstoffe ist dieser Boden für Jahrzehnte tot.
Auch für Brasilien gibt es Beispiele für regenerative Landwirtschaft, weil man eben nicht so weitermachen kann wie bisher, was übrigens auch hiesige Landwirte zunehmend feststellen müssen.
Wenn also Kalium in Form von Milch und Rindfleisch eine Farm verlassen, geht das nur so lange, bis die Kaliumvorräte erschöpft sind. Dann ist Schicht im Schacht.
Und wenn sich Bodenbildung und -nutzung in die Tiefe fortsetzt?

Richtig verloren geht doch kein Molekül und kein Atom, es sei denn, es verlässt unsere Erde. Somit tritt nur eine Umverteilung statt, eine Erschöpfung somit nur lokal und temporär. Dafür gibt es auch ein paar Meteoriten mit Frischmasse aus dem Weltall. Wenn man den Entstehungstheorien zur Erde folgt, muss ja unser Planet ursprünglich wasserlos gewesen sein und unsere Weltmeere wurden suksessiv aus dem Weltall gefüllt. Da kann einiges passieren. Du weißt das natürlich besser.

Bei all dem sollte man zusätzlich in seine Überlegungen einbauen, dass vorhanden und verfügbar für bestimmte Abnehmer sehr unterschiedliche Kategorien sind. Der Sauerstoff im Wasser ist zum Atmen nicht verfügbar (man kann sogar ertrinken!), es sei denn, die Photosynthese über Pflanzen schaltet sich ein. Vergleichbare Umbauer gibt es sehr viele, jeder Stoffwechsel ist ein solcher Vorgang.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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