Kann man Wurzelunkräuter / Unkrautsamen durch Fermentation abtöten?

Bokashi: Das kompostieren mit effektiven Mikroorganismen (EM)
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Peter_86
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Kann man Wurzelunkräuter / Unkrautsamen durch Fermentation abtöten?

Beitrag von Peter_86 » Di 19. Apr 2016, 20:32

Ich habe mal eine Frage, da ich bis jetzt nicht viel mit Fermentation kompostiert habe:
Kann man durch Fermentation Wurzelunkräuter (z. B. Quecke, Giersch, Brennnessel) bzw. Unkrautsamen abtöten (oder braucht man dazu eine richtige Heißrotte)?
Fall ja, wie lange muss man fermentieren, bis alles sicher abgetötet ist und man es auf den normalen Komposthaufen oder direkt ins Beet bringen kann?
Wie sind eure Erfahrungen?
Die ganze Masse des oberflächlichen Humus ist durch die Körper der Regenwürmer hindurchgegangen. Man kann bezweifeln, dass es noch viele andere Tiere gibt, welche eine so bedeutende Rolle in der Geschichte der Erde gespielt haben. (Charles Darwin)
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Re: Kann man Wurzelunkräuter / Unkrautsamen durch Fermentation abtöten?

Beitrag von Rainer01 » Mo 25. Apr 2016, 13:31

Bei meinen Versuchen,
habe ich genau das versucht auch mit zu testen, die Unkräuter wurden bei manchen Eimern extra mit fermentiert.
Selbst Löwenzahn Wurzeln oder Kartoffelteile mit Austrieb habe ich rein.
Fermentiert zwischen 2 bis 4 Wochen, entweder mit Brot, teilweise mit gekauften Hefewürfel aus dem Supermarkt manchmal mit einem kleinen Schuss Buttermilch. Geht alles genau so gut, ich konnte echt keinen Unterschied feststellen.
Nur die fermentierten Pferdeäpfel haben eklig gestunken.

Wo das Endprodukt nun schon länger im Boden liegt -bei uns ist es schon lange Zeit warm gewesen- kommt bis jetzt noch nichts. Erstaunlich aber die Knoblauchzehen die dort letztes Jahr nicht gekeimt haben -ich wusste nicht mal das dort noch welche sind- kommen alle und sind sehr kräftig. An anderen Stellen wächst und gedeiht das Unkraut hervorragend. Sogar im Zierrasen, wo letztes Jahr kein Löwenzahn war da kommt auch schon und hatte schon Köpfe bevor ich ihn ausgestochen habe. Also ich denke am Wetter liegt es nicht, sonst würde an anderer Stelle ja auch nichts kommen. Selbst im Komposter habe ich teilweise schon ausgetriebene Kartoffel Pflanzen drin.

VG
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Re: Kann man Wurzelunkräuter / Unkrautsamen durch Fermentation abtöten?

Beitrag von Krsna » Sa 7. Mai 2016, 11:07

Ich mache das regelmäßig mit Brennnessel (Wurzel, Pflanze & Samen).
Einfach in einen Kübel und mit Wasser auffüllen, bis alles bedeckt ist (Wichtig! Sonst wächst es frisch fröhlich weiter) und stehen lassen (Starter wie Hefe o.ä. hab ich noch nie gebraucht). Mit oder ohne Deckel ist eigentlich egal... Ohne Deckel stinkts halt etwas. Kann man unterbinden mit einer Handvoll Gesteinsmehl ;)
Ein paar Wochen sollten es schon sein. Das Wasser verwende ich dann zum Gießen (1:10 mit Wasser, wunderbarer Flüssigdünger), der Rest kommt auf den Kompost.

PS: Falls du Schädlinge auf Pflanzen hast, kannst du das Wasser bereits nach 2-3 Tagen abgießen, und 1:5 mit Wasser über die Pflanzen sprühen. Brennnesseltee ist ein wunderbares Pflanzenschutzmittel.


Eine weitere Methode, Wurzelunkräuter zu "töten", ist trocknen.
Gewisse Samen sind hartnäckig. Manche "überleben" sogar die Heißrotte (z.B. Tomaten).
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Re: Kann man Wurzelunkräuter / Unkrautsamen durch Fermentation abtöten?

Beitrag von Rainer01 » Mo 9. Mai 2016, 16:12

Hallo Krsna,
du schreibst von Brenneseljauche, ich glaube aber dass das so nicht die Frage war.
Ich denke er fragt nach kompostieren über fermentation...

VG
Rainer
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Re: Kann man Wurzelunkräuter / Unkrautsamen durch Fermentation abtöten?

Beitrag von Peter_86 » Di 10. Mai 2016, 17:14

Zitat Krsna
Einfach in einen Kübel und mit Wasser auffüllen, bis alles bedeckt ist
Ja, das kenn ich, dass ist die Herstellung von Brennnessel-Brühe o. –Jauche.

Eigentlich habe ich nach Fermentation/Gärung gefragt, also dass man wie bei der Herstellung von Sauerkraut o. Kimchi die Pflanzenreste fest zusammendrückt/stampft, so dass dazwischen kaum noch Luft ist, und man entweder gar kein oder nur wenig Wasser dazugibt (nur so viel, bis die Poren gefüllt sind). Und das Gefäß ist verschlossen (Gärröhrchen o. Wasserrand), so dass von außen kein Sauerstoff und keine Fäulniserreger hineingelangen können.
Meine Grundannahme war folgende: Wurzeln, Ausläufer und Samen brauchen Sauerstoff zum Überleben und müssten bei Gärung (kein Sauerstoff) nach einiger Zeit (min. 3-4 Wochen) absterben (bei Pflanzen, die an Überschwemmungen angepasst sind, klappt das wahrscheinlich nicht).

Brennnessel- oder Schachtelhalm-Jauche stinkt ja doch ziemlich, da würde ich eher vermuten, dass es sich um Fäulnis handelt (Entstehung von Schwefelwasserstoff usw.) und nicht um Fermentation/Gärung (bei Gärung entsteht CO2 und es stinkt nicht).
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Re: Kann man Wurzelunkräuter / Unkrautsamen durch Fermentation abtöten?

Beitrag von Krsna » Mi 11. Mai 2016, 17:03

Peter_86 hat geschrieben:Meine Grundannahme war folgende: Wurzeln, Ausläufer und Samen brauchen Sauerstoff zum Überleben und müssten bei Gärung (kein Sauerstoff) nach einiger Zeit (min. 3-4 Wochen) absterben
Die Grundannahme ist richtig, Wurzeln und Ausläufer sterben garantiert ab, bei Samen ungewiss (bzw. sortenabhängig)
Peter_86 hat geschrieben:(bei Pflanzen, die an Überschwemmungen angepasst sind, klappt das wahrscheinlich nicht).
Doch, auch solche! Erstens durch die bakterielle Aktivität und zweitens durch den Sauerstoffmangel, denn auch in Wasser ist Sauerstoff gelöst.
Peter_86 hat geschrieben:Brennnessel- oder Schachtelhalm-Jauche stinkt ja doch ziemlich, da würde ich eher vermuten, dass es sich um Fäulnis handelt (Entstehung von Schwefelwasserstoff usw.) und nicht um Fermentation/Gärung (bei Gärung entsteht CO2 und es stinkt nicht).
Ja, das ist korrekt! Macht aber im Endeffekt (für die Anwendung als Dünger) keinen Unterschied...
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Re: Kann man Wurzelunkräuter / Unkrautsamen durch Fermentation abtöten?

Beitrag von Peter_86 » Di 11. Okt 2016, 16:28

Nachtrag: Es gibt eine Pflanze, die Fermentation übersteht: Trauben-Hyazinthen (Gattung Muscari)!
Ich habe eine Art, die sich in meinem Garten wie Unkraut vermehrt und überall wächst, selbst in Gemüse- und Kräuter-Beeten. Nach und nach überwuchern die Traubenhyazinthen andere niedrige Pflanzen. Im Kräuterbeet besteht außerdem die Gefahr, dass man die giftigen schmalen, runden Blätter der Traubenhyazinthen mit Schnittlauch verwechseln kann.
Das Problem ist erstens, dass sich die Pflanzen aussäen (lässt sich vermeiden, indem man die Blütenstände gleich nach der Blüte entfernt), und zweitens, dass eine Zwiebel sehr viele kleine Brutzwiebeln ausbildet, die dann später wieder austreiben. Wenn man Traubenhyazinthen auf den Kompost wirft, überleben die (Brut-)Zwiebeln die Rotte. Verteilt man dann die Komposterde, treiben die (Brut-)Zwiebeln bald überall aus.
Also habe ich die Mutterzwiebeln mitsamt der umliegenden Erde mit den Brutzwiebeln ausgegraben, in einem großen Eimer (ca. 30-40 L) gefüllt, festgepresst, angefeuchtet, mit 2 Ziegeln beschwert, und oben einen Deckel draufgetan, so dass kein Licht reinkommt. Das Ganze stand ca. 6 Monate.
Jetzt habe ich den Eimer geöffnet und stellte erstaunt fest, dass fast alle Zwiebeln austreiben. Das Substrat war noch relativ nass. Vielleicht war es ja nicht nass genug, so dass noch Luftporen vorhanden waren.
Vielleicht muss ich doch die Zwiebeln sehr lange (1-2 Jahre) austrocknen lassen, um sie abzutöten.
Oder ich führe eine Hitzebehandlung durch (kochendes Wasser oder echte Heißrotte, z. B. mit großen Mengen frischen Pferdemist, Zwiebeln in die Mitte packen).
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